Vereinhaus Steinweg 47 - Quedlinburgs sprechende Häuser *

Hallo lieber QR Code Nutzer, lieber Besucher, Tourist oder vielleicht kommen Sie ja auch aus Quedlinburg, so wie ich. Danke, dass Sie diese Gelegenheit nutzen mich, das Haus Steinweg 47, auf diese moderne Weise kennenzulernen.

Ich stehe hier im Steinweg schon seit 1675 und habe eine bewegte Geschichte hinter mir, wobei ich mich an so vieles schon gar nicht mehr erinnern kann. Ab 1630 stand hier sicher nur ein kleines Haus, was Herrn Bernd Deipe und dann Andres Kirchhoff gehört hat. Den Neubau schuf 1675 Hans Rühle für Daniel Hennenberg, was auch aus der Innschrift hervorgeht. Zu sehen, über dem Torbogen, auch das Zimmermanns-Handwerkszeichen – Winkeleisen und Beil gekreuzt. 1878 wohnte hier der Schmiedemeister Bethmann, welcher sich eine kleine Schmiedewerkstatt einrichtete.

Aus meiner Hausakte, die erst 1892 beginnt, geht hervor, dass sich 1880 auf meinem Hof die Firma „Maschinenbau-Anstalt Friedrich Becker“ ansiedelte. Sie beauftragen später den Herrn Carl Schröder mit der Anfertigung von Bauzeichnungen für das Werkstattgebäude auf dem Hof. Diese wurden dann beim Magistrat der Stadt Quedlinburg eingereicht und erhielten den 1. Bau-Erlaubnisschein für die Erweiterung am 15. Februar 1895. Weitere Umbauten erfolgten im Jahr 1901. Die Firma existierte bis weit nach dem 1. Weltkrieg. So musste die „Firma Gebrüder Becker“, wie sie dann hieß, 1921 sogar das Aufstellen eines neuen Schweißautomaten anzeigen bzw. beantragen. Da ich ja nicht gerade klein bin, wohnten im Laufe der Jahre auch viele Familien in mir, wie zum Beispiel: ab 1909 3 Familien der Firmenbesitzer Becker, die Witwen Panto und Schneider, der Schneidermeister Rabra und ab 1926 auch der Bahnhofsverwalter a. D. Arndt. Ab 1926 hieß die Firma dann „Gebrüder Becker Maschinenfabrik“. 1950 / 51 wurde hier noch durch Herrn Hermann Becker eine Landmaschinen-Reparaturwerkstatt betrieben.

Später gehörte ich einem Herrn Otto Völke aus Winningen, der sich aber nicht um mich kümmerte. So haben sich sogar meine Nachbarn, die Firma Mechel- und Eisenmenger KG, 1974 beim Stadtbauamt über mich beschwert. Meine Dachrinnen waren defekt und die Anbauten auf meinem Hof waren mit Hausschwamm befallen. Da Herr Völke auch in den darauffolgenden Jahren nichts unternahm um mich instand zu halten, leider war er mittellos, wurde beschlossen, mich zu verkaufen. Mein neuer Eigentümer, der VEB Wohnungs- und Gesellschaftsbau Sangerhausen, wurde dann beauftragt in der Winterperiode 1984/ 1985 Bauarbeiterwohnungen in mir zu errichten. Schön, nun wurde ich endlich mal wieder saniert. Von 1989 bis 1999 hatte die BauBeCon, der Sanierungsträger unserer Welterbestadt Quedlinburg, ihre Büroräume hier eingerichtet. Dann gab es eine Zeit, da stand ich lange leer und gehörte der Wohnungswirtschaftsgesellschaft Quedlinburg. Am 01.01.2006 sollte sich dann alles zum Guten wenden. Der Garnisonsverein Quedlinburg, der aus seinen Räumlichkeiten in der alten Infanterie-Kaserne ausziehen musste, zog hier ein!

Ich bin auf jeden Fall ganz schön froh, dass sich der Garnisonsverein Quedlinburg, dem ich inzwischen auch zum Teil gehöre, sich jetzt um mich kümmert. So habe ich sogar im Frühjahr 2014 mit Hilfe der Stadt Quedlinburg, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem Landkreis Harz und mit viel Engagement des Vereins, der einen nicht unerheblichen Eigenanteil aufbringen musste, ein neues Dach bekommen.

In meinem Inneren befindet sich seit 2008 das Garnisonsmuseum Quedlinburg. Zweck bzw. Ziel des Garnisonsvereins ist es, die Garnisonsgeschichte der Welterbestadt Quedlinburg und seiner Umgebung mit den hier stationierten Truppenteilen von 1698 bis 1993 aufzuarbeiten und die Tradition dieser zu pflegen sowie deren Geschichte und das Leben zu erforschen und darzustellen.

Widergespiegelt wird dieser Zweck, der auch in der Satzung des Garnisonsvereins festgeschrieben ist, insbesondere durch den Aufbau einer Dauerausstellung zur Garnisonsgeschichte, welche nach den Regeln der Museumsethik und den Standards für Museen des Deutschen Museumsbundes geführt werden soll, sowie durch Vorträge zur politischen Bildung, Aufklärung und Heimatpflege. Besonders wichtig ist es hierbei, das zusammengetragene Wissen und das „Gesammelte“ der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und sie dadurch für dieses Thema zu sensibilisieren.

Der Fleiß des Vereins wurde dann im März 2009 belohnt, denn seitdem ist er sogar Mitglied im Museumsverband Sachsen-Anhalt.

Mit den vielen Veranstaltungen, an denen sich die Kameraden beteiligen, wie zum Beispiel der „Internationale Museumstag“ im Mai, der „Tag des offenen Denkmals“ im September oder das jährliche Highlight „Advent in den Höfen“ an den ersten 3 Adventwochenenden, sowie die selbst organisierten Feste, helfen mich zu erhalten, weiter zu sanieren und das Garnisonsmuseum weiterzuentwickeln.

So liebe Besucher und wenn ich Sie nun neugierig gemacht habe, schauen Sie doch mal auf die Internetseite des Garnisonsvereins unter www.Garnisonsverein.de.

Vielleicht sehen wir uns ja schon bald mal wieder, aber dann in meinem Inneren!

Tschüss Ihr Steinweg 47

* Die Idee mit den sprechenden Häusern stammt von Ulrich Thomas (CDU) MdL Sachsen-Anhalt. Die QR-Cods sind an allen mitmachenden Häusern angebracht!

Kontaktdaten

Garnisonsverein Quedlinburg e.V.
Steinweg 47
06484 Quedlinburg

Telefon: 0172 - 344 01 04

E-Mail: info@garnisonsverein.de
Web: www.garnisonsverein.de

Spendenkonto

Garnisonsverein Quedlinburg e.V.
Institut: Harzsparkasse

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